Nicht nur PCs sind ein Angriffsziel

Warum auch Peripheriegeräte zur unterschätzten Angriffsfläche werden

Wenn Unternehmen über IT-Sicherheit sprechen, stehen meist Server, Notebooks, Firewalls oder Webanwendungen im Mittelpunkt. Diese Systeme gelten zu Recht als besonders schützenswert und werden regelmäßig aktualisiert, überwacht und getestet.

Doch die IT-Landschaft hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.

Neben klassischen Endgeräten befinden sich heute zahlreiche weitere Systeme im Unternehmensnetzwerk oder sind direkt mit Arbeitsplätzen verbunden: Bluetooth-Headsets, Dockingstations, Monitore, Drucker, Webcams, Konferenzsysteme oder Soundbars. Viele dieser Geräte verfügen über eigene Prozessoren, Speicher und Firmware und damit über Software, die ebenfalls Schwachstellen enthalten kann.

Ein aktueller Forschungsbericht, über den unter anderem Golem berichtet hat (vollständiger Artikel unter: https://www.golem.de/news/firmware-manipulation-per-bluetooth-pc-ueber-verbundene-soundbar-gehackt-2606-209436.html?utm_source=nl.2026-06-05.html&utm_medium=e-mail&utm_campaign=golem.de-newsletter) zeigt genau dieses Problem. Sicherheitsforscher konnten die Firmware einer Bluetooth-Soundbar manipulieren und darüber einen verbundenen PC beeinflussen. Auch wenn dieses Szenario derzeit kein typischer Angriff in Unternehmen ist, verdeutlicht es eine wichtige Entwicklung: Die Angriffsfläche endet längst nicht mehr am Betriebssystem.

Was genau ist Firmware

Firmware ist eine spezielle Software, die direkt auf einem Gerät gespeichert ist. Sie übernimmt grundlegende Steuerungsaufgaben und bildet die Schnittstelle zwischen Hardware und eigentlicher Nutzung.

Firmware findet sich unter anderem in:

Monitoren | Dockingstations | Bluetooth-Lautsprechern |  Headsets | Tastaturen | Mäusen | Druckern | Webcams | NAS-Systemen | Routern und Switches | USB-Hubs | Smart-TVs | Konferenzsystemen

Während Betriebssysteme wie Windows oder Linux regelmäßig aktualisiert werden und Administratoren deren Patchstand meist gut kennen, sieht die Situation bei Peripheriegeräten häufig anders aus. Für viele Geräte veröffentlichen Hersteller nur selten Firmware-Updates oder stellen diese nur eingeschränkt zur Verfügung. Gerade bei preisgünstiger Hardware endet die Produktpflege oft bereits nach kurzer Zeit. Dadurch verbleiben bekannte Schwachstellen unter Umständen dauerhaft auf den Geräten, selbst wenn Unternehmen ihre Systeme grundsätzlich sorgfältig pflegen.

Auch Firmware kann Fehler, Sicherheitslücken oder fehlerhafte Implementierungen enthalten. Bleiben entsprechende Updates aus, lassen sich diese Schwachstellen häufig nicht beheben.

Der Forschungsfall: Manipulation einer Bluetooth-Soundbar

Der aktuelle Forschungsbericht zeigt eindrucksvoll, wie kreativ Sicherheitsforscher inzwischen denken. In dem beschriebenen Szenario gelang es, die Firmware einer Bluetooth-Soundbar zu manipulieren. Anschließend konnte die Verbindung zwischen Soundbar und Computer genutzt werden, um weitere Aktionen auf dem Host-System auszuführen.

Auch wenn dieses Beispiel aktuell viel Aufmerksamkeit erhält, ist die grundsätzliche Problematik nicht neu. Bereits vor einigen Jahren wurden zum Beispiel schwerwiegende Schwachstellen in den weit verbreiteten Logitech-Unifying-Empfängern bekannt. Diese ermöglichten es Angreifern unter bestimmten Voraussetzungen, Tastatur- und Mauseingaben zu manipulieren oder eigene Eingaben einzuschleusen, teilweise aus einer Entfernung von mehreren Dutzend Metern. Die Vorfälle zeigten bereits damals, dass selbst unscheinbare Peripheriegeräte erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit eines Arbeitsplatzes haben können.

Der aktuelle Forschungsfall führt diese Entwicklung konsequent fort. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Soundbar selbst, sondern die Erkenntnis, dass moderne Peripheriegeräte längst eigenständige Computersysteme mit eigener Firmware, Speicher und Kommunikationsschnittstellen sind. Genau diese zunehmende Komplexität macht sie zu einem attraktiven Angriffsziel.

Einige spannende Berichte dazu haben wir verlinkt:

https://www.heise.de/news/c-t-deckt-auf-Tastaturen-und-Maeuse-von-Logitech-weitreichend-angreifbar-4464149.html

https://www.heise.de/ratgeber/Logitech-Luecken-Angriff-mit-10-Euro-Hardware-moeglich-jetzt-handeln-4478521.html

https://www.heise.de/news/Verwundbare-Logitech-Presenter-Kunden-warten-auf-Austausch-Empfaenger-4594599.html

https://www.heise.de/news/Angreifbare-Logitech-Presenter-Hersteller-tauscht-gefaehrliche-USB-Empfaenger-aus-4423627.html

Warum solche Forschung wichtig ist

Oft entsteht nach Veröffentlichungen dieser Art der Eindruck, plötzlich sei jedes Bürogerät ein akutes Sicherheitsrisiko. Das greift jedoch zu kurz. Sicherheitsforschung verfolgt ein anderes Ziel: Sie zeigt Möglichkeiten auf, bevor Angreifer sie im großen Stil ausnutzen (siehe dazu beispielsweise unser Blogartikel Casino durch Thermometer gehackt)

Viele heute bekannte Sicherheitsmaßnahmen gehen auf genau solche Forschungsergebnisse zurück.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Secure Boot
  • signierte Firmware
  • Firmware-Updates
  • Geräteauthentifizierung
  • Schutzmechanismen gegen manipulierte USB-Geräte

 

Ein gutes Beispiel ist USB: Die Schnittstelle ermöglicht den Anschluss unterschiedlichster Geräte. Gleichzeitig muss der Computer darauf vertrauen, welche Funktion ein angeschlossenes Gerät vorgibt zu besitzen. Genau deshalb stehen USB-Schnittstellen seit Jahren im Fokus der Sicherheitsforschung.

Forschung erweitert also unser Verständnis dafür, wo zukünftige Risiken entstehen können.

Welche Risiken entstehen tatsächlich?

Nicht jede Schwachstelle führt automatisch zu einer vollständigen Kompromittierung eines Unternehmens. Ob ein Angriff erfolgreich ist, hängt immer von mehreren Faktoren ab:

  • Welche Voraussetzungen muss der Angreifer erfüllen?
  • Benötigt der Angreifer physischen Zugriff oder reicht bereits die Nähe zum Zielsystem, beispielsweise über Bluetooth oder andere Funktechnologien?
  • Ist eine Benutzerinteraktion erforderlich?
  • Welche Berechtigungen besitzt das Gerät?
  • Existieren bereits Sicherheitsmechanismen?

 

Gerade deshalb ist eine nüchterne Risikobewertung wichtig. Der aktuelle Forschungsfall zeigt vor allem, dass Unternehmen ihre Sicherheitsbetrachtung erweitern sollten. Nicht, dass jetzt jede Soundbar ersetzt werden muss.

Was Unternehmen daraus lernen können

Der wichtigste Schritt besteht darin, Peripheriegeräte überhaupt als Teil der eigenen IT wahrzunehmen. Dazu gehören unter anderem folgende Maßnahmen.

  • Asset-Management erweitern

    Nur bekannte Systeme können auch verwaltet werden. Nicht nur Notebooks und Server sollten inventarisiert werden, auch folgende Geräte gehören in ein aktuelles Asset-Verzeichnis: • Monitore • Dockingstations • Drucker • Bluetooth-Geräte • Konferenztechnik • Kameras • Smart Displays • Tastaturen und Mäuse

  • Unnötige Funkverbindungen meiden

    Bluetooth, WLAN oder NFC erhöhen den Komfort, erweitern aber gleichzeitig die potenzielle Angriffsfläche. Deshalb sollten diese Funktionen bewusst eingesetzt werden. Ist eine Funkverbindung für den Arbeitsalltag nicht erforderlich, kann ihre Deaktivierung das Risiko reduzieren. Werden sie hingegen benötigt, sollten sie aktuell gehalten und sicher konfiguriert sein.

  • Peripheriegeräte in Sicherheitsbewertungen einbeziehen

    Viele Unternehmen führen regelmäßig Penetrationstests durch. Dabei konzentriert sich der Scope häufig auf • Webanwendungen, • interne Netzwerke, • Active Directory, • externe Infrastruktur. Peripheriegeräte sind dagegen oft nicht Bestandteil der Prüfung. Nicht weil sie unwichtig wären, sondern weil sie häufig schlicht vergessen werden. Gerade bei besonders sensiblen Umgebungen lohnt sich daher ein Blick über klassische Systeme hinaus.

Sicherheit bedeutet, das gesamte Ökosystem zu betrachten

Cyberangriffe entwickeln sich kontinuierlich weiter. Während früher hauptsächlich Betriebssysteme oder Server im Fokus standen, geraten heute zunehmend weitere Komponenten einer IT-Umgebung in den Blick. Das bedeutet nicht, dass jede Webcam oder jede Soundbar ein unmittelbares Risiko darstellt. Es bedeutet aber, dass Sicherheitsstrategien mit der technischen Entwicklung Schritt halten müssen.

Ein vollständiger Überblick über alle eingesetzten Geräte, ein strukturiertes Asset-Management und regelmäßige Firmware-Updates sind heute wichtiger denn je. Denn letztlich gilt ein Grundsatz, der sich seit Jahren nicht verändert hat:

Angreifer suchen sich selten den offensichtlichsten Weg, sondern denjenigen, den niemand im Blick hat.